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BIF-Wanderritt 2026: Von der Feldberger Seenlandschaft bis nach Rheinsberg – Acht Tage voller Pferdeglück, Gemeinschaft und leichtem Organisationswahnsinn

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27. Juni bis 4. Juli 2026 – rund 135 Kilometer zu Pferd durch Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg

Manche suchen sich für einen Wanderritt die schönste Landschaft aus. Wir offenbar auch den heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Zwölf Mitreitende aus Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen machten sich Ende Juni gemeinsam auf den Weg von der Feldberger Seenlandschaft bis nach Rheinsberg. Mit dabei: Pferde zwischen 7 und 20 Jahren, Reiterinnen und Reiter von Mitte 30 bis Ende 60, Andreas ein tapferer Quotenmann und natürlich Wolfgang – Trossfahrer, Logistikgenie, Fahrer, Rettungsdienst, Cateringunternehmen und gute Seele der Woche in Personalunion.

Schon nach wenigen Tagen sollte klar werden: Dieser Ritt würde nicht nur wegen der Kilometer in Erinnerung bleiben.

Hitzefrei auf Isländisch

Unser Basislager zum Auftakt war das wunderschöne Herrenhaus Hotel Hullerbusch. Glücklicherweise hatte unsere Freizeitwartin Deike gleich zwei Übernachtungen dort eingeplant. Eine Entscheidung, die sich angesichts der Temperaturen als nahezu göttliche Eingebung herausstellen sollte.

Noch vor dem Frühstück ritten wir in den frühen Morgenstunden los. Zwar kamen die Teilnehmer dadurch zunächst nicht in den Genuss des legendären Frühstücksbuffets, wurden aber mit traumhaften Ausblicken auf die Seenlandschaft, leeren Wegen und mehreren spontanen Badeeinlagen für Pferd und Reiter entschädigt.

Dank der flexiblen Planung waren wir bereits früh zurück. Die Pferde entspannten auf schattigen Weiden, während die Zweibeiner wissenschaftlich untersuchten, wie lange man sich eigentlich in einem glasklaren See aufhalten kann, bevor man offiziell zum Wasserbewohner wird.

Wer glaubt, Wanderreitpferde würden nachts in kleinen Turnierpaddocks stehen, wurde ebenfalls eines Besseren belehrt. Jeden Abend entstanden großzügige Paddocks von bis zu 20 x 20 Metern. Später standen sogar ganze Wiesenabschnitte zur Verfügung. Aus zunächst fremden Pferden wurde im Laufe der Woche eine ziemlich entspannte Herde.

Den Abend ließen wir im Fischstübchen auf der Feldberger Insel ausklingen – noch ahnungslos, welche Wetterkapriolen auf uns warteten.

Der Wettergott hört mit – leider sehr aufmerksam

Am Montagmorgen wurde zunächst ausgiebig gefrühstückt. Hausgemachte Marmeladen, frische Eier, Obst und die überreichen Kirschbäume im Herrengarten machten es schwer, überhaupt loszureiten.

Inzwischen war die Gruppe komplett. Pferde und Reiter waren noch leicht aufgeregt. Die Pferde verfügten über reichlich Energie, die Reiter über unterschiedliche Vorstellungen davon, wo sie in der Gruppe eigentlich reiten wollten. Aber die Temperaturen waren über Nacht um mehr als zehn Grad gefallen – beste Bedingungen.

Die erste längere Töltstrecke begeisterte alle. Die Gruppe begann sich einzuspielen. Dann kündigte ein verdächtiges Wummern in der Ferne an, dass der Wettergott offenbar unsere Bitte um Abkühlung erhalten hatte.

Er meinte es allerdings etwas zu gut.

Zunächst freuten wir uns über die ersten Tropfen. Dann über den Regen. Dann über den vielen Regen. Und schließlich waren wir alle trotz Regenkleidung bis auf die Unterwäsche durchnässt.

Die Stimmung blieb erstaunlicherweise hervorragend.

Besonders unser Quotenmann entwickelte eine pragmatische Lösung. Er entledigte sich kurzerhand seiner durchnässten Oberbekleidung und ritt fortan oberkörperfrei und ausgesprochen anmutig durch Brandenburg. Wanderreiten trifft Karl-May-Festspiele.

Tee statt Sonnenstich

An der Mittagsrast wartete wie jeden Tag Wolfgang.

Wer noch nie mit einem guten Trossfahrer unterwegs war, kann kaum ermessen, wie wertvoll so jemand ist. Während wir noch überlegten, wie viel Wasser eigentlich in eine Reithose passt, hatte Wolfgang bereits alles vorbereitet.

Die Pferde standen mustergültig an der Slackline. Vermutlich funktioniert ein solches Arrangement ausschließlich mit Isländern. Andere Pferderassen hätten wahrscheinlich längst Gewerkschaftsvertreter gewählt.

Während einige bei den Pferden blieben, wurden Socken ausgewrungen, trockene Kleidung aus dem Trossfahrzeug organisiert und die Speisekarte studiert.

Flammkuchen, Bratwurst, Pommes.

Besonders bemerkenswert war jedoch die Zwei-Liter-Kanne Tee.

Am Vortag bei 35 Grad noch vollkommen überflüssig, wurde sie nun restlos geleert.

Der Wettergott hatte unsere Bitte nach Abkühlung eindeutig verstanden.

Pfützen-Monster, Flussdurchquerungen und Lychen

Nach der Mittagspause ging es weiter durch herrliche Wälder und über weiche Sandwege.

Für unser jüngstes Teilnehmerpferd entwickelten sich die zahllosen Pfützen allerdings zu einer ernsthaften Charakterprüfung. Besonders im Trab oder Tölt schienen diese Wasseransammlungen hochgefährliche Raubtiere zu sein.

Die routinierten Pferde hingegen freuten sich darüber, unterwegs ständig Trinkpausen einlegen zu können.

Die erste Flussdurchquerung meisterte der Großteil der Gruppe souverän. Nur unser Youngster war zunächst skeptisch. Nach etwas Überredung ließ er sich schließlich abholen und trank anschließend vor Erleichterung gefühlt den halben Fluss leer.

Über Brücken und durch Lychen erreichten wir am Abend die Muli-Rensch.

Nach gemeinsamem Kochen verbrachten wir die Nacht gut zusammengeschoben in zwei Ferienwohnungen. Die nächtliche Geräuschkulisse bestand nicht aus Hähnen, sondern aus Eseln und einem äußerst engagierten Deckhengst. Einschlafen war möglich. Ignorieren eher nicht.

Eine Woche in der Wanderreit-Blase

Was diesen Ritt besonders machte, war die Gruppe.

Innerhalb kürzester Zeit entstand die berühmte Wanderreit-Blase. Pferde wurden gemeinsam versorgt, Ausrüstung verliehen, Sorgen geteilt und Lösungen gefunden.

Und die Gespräche!

Mit zwei Tierärztinnen und zwei Humanmedizinerinnen waren wir medizinisch vermutlich die bestversorgte Wanderreitgruppe Deutschlands. Dazu kamen Fachwissen zu Pferdeoutfits von Gangsalat.de, Ziegenkäseproduktion, Tierfotografie, katholischer Kirche und unzählige Geschichten aus verschiedenen Bundesländern.

Menschen, die sich sonst vermutlich nie begegnet wären, saßen plötzlich gemeinsam beim Abendessen und diskutierten über Hufschuhe, Theologie und Käsekulturen.

Genau deshalb liebt man das Wanderreiten.

Die Mücken wollten auch mitreiten

Der Dienstag war reittechnisch nahezu perfekt.

Die Wege waren trocken, aber nicht staubig. Die Temperaturen angenehm.

Dafür hatten die Mücken beschlossen, sich dem Wanderritt anzuschließen.

Geschätzt ritten mindestens 3.000 Exemplare mit. Vielleicht auch 30.000.

Abends wurde Bilanz gezogen.

Das Ergebnis reichte von einem einzigen Mückenstich – dessen Besitzer von allen beneidet wurde – bis zu beeindruckenden 70 Treffern. Manchmal braucht es eben nur das richtige Opfer neben sich.

In Himmelpfort machten wir Rast an der Ruine des ehemaligen Zisterzienserklosters. Baden, Eis essen, Kirche anschauen oder einfach entspannen – jeder fand seine Beschäftigung.

Die anschließende Hundebadestelle erwies sich als perfekte Pferde- und Reiterbadeanstalt. Die gesamte Gruppe konnte gleichzeitig hineinreiten und sah dabei aus, als würde sie auf einem riesigen Zirkel durchs Wasser schweben.

Kaninchen retten – Talente, die begeistern

Am Gut Boltenhof wurden wieder ganz neue Talente sichtbar.

Zwischen Schweinen, Eseln, Hühnern und Kaninchen stellten wir fest, dass einige Kaninchen beschlossen hatten, ein Leben in Freiheit zu führen. Kurzerhand wurden sie wieder eingefangen – nicht fürs Abendessen, sondern um sie vor dem örtlichen Fuchs zu schützen.

Das anschließende Abendessen begeisterte alle.

Die Auswahl lautete unter anderem Trüffelrisotto oder Spargel.

Anfang Juli. Nach der Spargelsaison. Entsprechend groß waren die Zweifel.

Am Ende hatten trotzdem alle Spargel auf dem Teller – ob als Hauptgericht, oder als Beilage beim Risotto – und es mundete vorzüglich, genauso wie das reichhaltige Biofrühstück am nächsten Morgen. Mit Eiern, Milch, Wurst und Marmeladen vom Hof.

Maulbeerfinger und die Rettung der EC-Karte

Gut gestärkt und nach dem obligatorischen Paddock-Tetris am Morgen ging es wieder in die Sättel. Der Himmel hielt sich trotz einiger verdächtig dunkler Wolken erfreulich zurück, sodass wir entspannt weiterreiten konnten.

Am Wegesrand warteten nun historische Maulbeerbäume, deren Früchte sich als nahezu unwiderstehlich erwiesen. Einige Reiter konnten einfach nicht die Finger davon lassen – was wenig später auch jeder sehen konnte. Die auffälligen violetten Verfärbungen an Händen und teilweise sogar im Gesicht ließen die Täter eindeutig überführen. Die Pferde zeigten sich dabei wenig besser und halfen fleißig beim Vernichten der reifen schwarzen und weißen Beeren.

Trotz der spontanen Maulbeerverkostung verfügte die Gruppe erstaunlicherweise noch über ausreichende Kapazitäten für die herrlichen Galettes und Crêpes in Gut Zernikow. Wanderreiten macht eben hungrig – und zwar dauerhaft.

Kurz nach der Rast sorgte dann ein kleines Drama für Spannung: Eine EC-Karte war verschwunden. Sofort wurden Taschen kontrolliert, Rucksäcke durchwühlt und Gesichter etwas blasser. Während die Besitzerin gedanklich bereits sämtliche Sperr-Hotlines durchging, schien Andreas plötzlich von einer höheren Macht oder einem dritten Auge geleitet zu werden. Er erinnerte sich daran, irgendwo eine Karte gesehen zu haben, stieg vom Pferd und marschierte los.

Die übrige Gruppe wartete.

Und wartete.

Und wartete noch etwas länger.

Langsam wurden erste Theorien entwickelt. Hatte er die Karte gefunden? War er falsch abgebogen? Hatte er beschlossen, in Zernikow ein neues Leben zu beginnen?

Als Andreas schließlich nach gefühlter Ewigkeit wieder auftauchte, hielt er die vermisste Karte triumphierend in der Hand. Der Fundort lag direkt am Ausgang der Mittagsrast. Die Erleichterung war groß, die Besitzerin glücklich – und Andreas wurde erneut in die wachsende Liste der Helden dieses Wanderritts aufgenommen.

Mysteriöse Tiere und landwirtschaftliche Bildung

Eine geplante Abkürzung führte uns an einem Gelände vorbei, das mit Verbotsschildern, Überwachungskameras und Stacheldraht gesichert war.

„Betreten verboten – wertvoller Tierbestand.“

Sofort entstanden die wildesten Theorien.

Von seltenen Zuchtantilopen bis zur geheimen Drogenanbauzentrale war alles dabei.

Deike fragte höflich nach.

Die Antwort lautete Nein.

Bis heute wissen wir nicht, welche wertvollen Tiere dort geschützt wurden.

Dafür lernten wir etwas über Getreide.

Eine unterwegs eingesammelte Ähre führte zu ausführlichen Diskussionen, bis das Geheimnis gelüftet wurde: Triticale, die Kreuzung aus Weizen und Roggen.

Wieder etwas gelernt.

Regenbögen, Badesee und Pferde-Wellness

Am Stechlinsee angekommen, waren alle begeistert.

Paddockwiese am Wasser, Bademöglichkeiten direkt vor der Haustür und am Abend spektakuläre Regenbögen sowie ein Himmel, der aussah, als hätte jemand den Farbregler überdreht.

Der nächste Morgen begann mit Frühsport im See, während Nebelschwaden übers Wasser zogen.

Später durften auch die Pferde noch baden und planschen. Die Mittagspause am tropisch anmuteten Seeufer vom Wittwesee gehörte definitiv zu den schönsten Momenten der Woche.

Teamtraining im Kanu

Der vorletzte Tag war als Pausentag für die Pferde gedacht.

Für die Reiter bedeutete das: Paddeln.

Auf dem Rhin ging es von Rheinsberg nach Zippelsförde. Die Strömung half mit, dennoch wurden diverse Wasserpflanzen, Uferbereiche und Hindernisse intensiv untersucht.

Die Teamfähigkeit, die sich in den vergangenen Tagen entwickelt hatte, wurde in den Zweier-Kanus auf ihre endgültige Probe gestellt.

Es wurde viel gelacht.

Sehr viel.

Oper im Festgewand

Abends wurde es überraschend elegant.

Bereits auf der Packliste war von Abendgarderobe die Rede gewesen. Nun wurde klar warum.

Im Schloss Rheinsberg lauschten wir einer Kammeroper junger Talente. Unter dem Sternenhimmel, zwischen historischen Mauern und farbigen Lichtinstallationen entstand ein Abend, der kaum besser hätte ins Programm passen können.

Von verschwitzten Reithosen zu Opernbesuchern in wenigen Minuten – auch das kann Wanderreiten.

Verstärkung für die Männerfraktion und Übernachten mit Sternenblick

Für die letzten Tage in Rheinsberg bekam unsere Wanderreit-Blase noch Zuwachs. Drei nichtreitende Anhänge stießen zur Gruppe und unterstützten nicht nur tatkräftig beim Paddeln und beim Kulturprogramm im Schloss Rheinsberg, sondern verbesserten ganz nebenbei auch die bislang eher überschaubare Männerquote.

Der unverhoffte Familienzuwachs brachte allerdings ein logistisches Problem mit sich: Es gab plötzlich mehr Menschen als Betten. Für echte Wanderreiter ist das natürlich kein Grund zur Panik. Kurzerhand wurde das Dachzelt auf dem Trossanhänger von Birte bezogen. So entstand vermutlich die schönste Schlafgelegenheit der gesamten Woche: direkt unter dem Sternenhimmel, mit freiem Blick auf die Pferdepaddocks. Während die Pferde zufrieden ihr Abendheu knabberten, konnten die Bewohner des Dachzelts den Tag gemütlich ausklingen lassen. Luxus ist eben relativ – und manchmal besteht er einfach aus einem Dachzelt, warmen Sommernächten und dem beruhigenden Schmatzen zufriedener Pferde.

Abschied mit Blick aufs Schloss

Am letzten Tag diente Schloss Rheinsberg noch einmal als Fotokulisse für die Abschlussbilder.

135 Kilometer lagen hinter uns.

Eine Woche voller Seen, Wälder, Pferde, Gespräche, Mücken, Gewitter, Tee, Badestellen, verlorener Hufschuhe und unvergesslicher Momente.

Erst zuhause merkt man, wie besonders diese kleine Wanderreit-Blase eigentlich war.

Ein ganz besonderer Dank gilt unserer BIF-Freizeitwartin Deike. Sie hatte die gesamte Strecke bereits im Vorfeld mit dem Fahrrad erkundet, Unterkünfte organisiert, Rastplätze gefunden, Alternativrouten bei Hitze geplant und den gesamten Ritt mit ihrem Gabriel souverän angeführt.

Liebe Deike, wir verneigen uns vor deinem Organisationstalent, deiner Geduld und deiner Leidenschaft. Danke für eine Woche, die uns allen noch lange in Erinnerung bleiben wird – und die die Messlatte für zukünftige Wanderritte wieder verdammt hoch gelegt hat.